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20. Internationale Elbefahrt von Schmilka nach Dresden

Am 12. Juli 2014 machten sich ca. 120 Paddler aus ganz Deutschland, aus Österreich und den Niederlanden auf, um die Elbe von Schmilka bis nach Hamburg-Harburg zu paddeln.

Das Wetter hat mitgespielt, wie es das wohl den ganzen Sommer noch nicht getan hatte. In Dresden gabs mal den einen oder anderen Gewitterschauer, in Tangermünde zog ein fettes Gewitter mit Starkregen über uns hinweg und in Dömitz entschied Petrus sich, dass es von abends bis zum darauffolgenden Mittag regnen sollte. Dafür entschädigte er uns mit Sonnenschein am späten Nachmittag in Klein Kühren.

Die Elbe verändert ihren Charakter im Laufe dieser ca. 600 km sehr stark. Anfangs dominieren hohe Sandsteinwände und Felsmassive die Seitenufer mit Dörfern, die zwischen Ufer und Berg gebaut wurden. Später dann - etwa ab Riesa - verschwinden diese Massive vollkommen und die Ufer werden durch Buhnen bestimmt, zwischen denen sich Sand und Kies abgelagert hat. Diese Kiesbänke luden immer wieder zum Verweilen und zum Baden ein. Parrallel zum Fluss erstreckten sich Europas größte Auenwälder und schließlich auch noch das Biosphärenreservat. Bedingt durch diese doch relativ unberührte Natur konnten natürlich auch Weiß- und Schwarzstörche, Milane, Fischreiher, Kibitzschwärme und vieles mehr an den Ufern und in der Luft beobachtet werden. Wer sich darauf eingelassen hat, der verschmolz ganz und gar mit dieser Landschaft, ließ sich von der Elbe mitnehmen und konnte all ihre Stimmungen durchleben, die ihre unterschiedlichen Erscheinungsbilder mit sich brachten.

Die Versorgungslage war zu keinem Zeitpunkt kritisch. Den Höhepunkt des "Betreuten Paddelns" erlebten wir sicherlich in der Lutherstadt Wittenberg: Hier wurde jeder anlandende Teilnehmer mit einem  Begrüßungsheft voller Infomationen rund um Wittenberg bedacht. Außerdem wartete selbstgebackener Blechkuchen auf die hungrigen und müden Paddler. Das besondere war, dass die Kuchen alle vor Ort zubereitet wurden und in einem historischen Steinofen gebacken wurden. Sie waren also so warm uns so frisch, wie Kuchen nur sein kann. Das war aber noch nicht das Ende der Fahnenstange: Abends wurde wieder gekocht, gebacken und gebraten, was das Zeug hielt. Auch für das Früchstück, den Nachmittagskaffee mit Kuchen und einer in einer über dem offenen Feuer gekochten Gulaschsuppe des nächsten Tages war bestens gesorgt. Von einigen Paddlern wurde überlegt, ob man sich dort nicht adoptieren lassen könnte....

Es gab aber auch Tiefpunkte. Den absoluten Tiefpunkt haben wir wohl in Tangermünde erlebt. Einen Tiefpunkt für den der gastgebende Ruderclub absolut nichts konnte: Es gab reichlich Schnecken. Nein, nicht zum Essen. Aber reichlich als ungebetene Gäste an, in und auf den Booten und den Zelten. Alleine von meinem Boot suchte ich schon fast 100 Schnecken ab und von meinem Zelt noch einmal 30. Das wars, am nächsten Morgen wollte ich nur noch hier weg. Auf der nächsten Kiesbank wurde mit einem alten Lappen das Boot geschrubbt, das über und über voller Schneckenschleim und -kot saß. Man konnte echt nirgends anfassen, ohne diesen ekligen Schleim an den Händen zu haben.

Zwischendrin gab es Ruhetage in Dresden, Wittenberg, Magdeburg und Dömitz, wer wollte auch noch in Hamburg. Jeder Paddler hatte Gelegenheit, entweder auf dem Zeltplatz bei Kaffee und Kuchen oder einem kühlen Bierchen einen Tag abzuhängen und sich zu regenerieren, oder die Angebote wie Besichtigungstouren für die Städte mit ihren wunderschönen Kirchen, Burgen, Festungen und historischen Altstädten wahrzunehmen.

Einen ganz besonderen Service wurde uns bei der An- und Abreise nach Magdeburg geboten: Da die Alte Elbe, an der der Bootsclub ansässig ist, beinahe ausgetrocknet war, wurde von Aken nach Magdeburg und von Magdeburg nach Rogätz ein Gepäckservice angeboten. Dadurch konnten die Paddler mit nahezu leeren Booten fahren und so die flache Passage vorm Bootsclub überwinden. Auf dem Rückweg wieder zurück in die tiefe Elbe, machten sich Leute vom Magdeburger Club daran und gruben einen Kanal quer durch die aus dem Wasser ragende Sandbank. Und als ob das noch nicht genug war, wurde auch noch ein Treidelservice angeboten. Rechts und links neben dem Kanal stand jeweils ein Mann, dazwischen war ein Tau gespannt. Hieran konnten die Paddler sich durch die "Meerenge" ziehen lassen. Bei 10 Booten ist das sicherlich mal eben so nebenbei gemacht, aber bei ca. 100 Booten war das Schweißarbeit. Also Hut ab dafür und einen ganz lieben Dank für die Mühe.

An dieser Stelle möchte ich mich sowieso noch einmal bei den ganzen Bootsclubs bei denen wir zu Gast sein durften, bedanken. Ihr habt euch alle ordentlich reingehängt und dieses Event zu einer überaus gelungenen Tour werden lassen. Wir haben uns überall gut aufgehoben gefühlt und wir wissen, dass es nicht so einfach ist, eine Invarsion von ca. 120 Leuten von jetzt auf gleich zu bewältigen. Auch dafür ganz großen Respekt.

 

Franky Beerens

Bilder von der Elbefahrt